Auftakt des Stilblüten Festivals beim Blütenmenü in der Freitagsküche. Bewährtes Motto "Offen für alle, first come, first serve."stillblueten freitagskueche2
Fotos: tactually

„Wir öffnen Mode und Design und beziehen das Publikum mit ein.“
Was mit der Idee, Designer aus der Region zu einer kreativen Verkaufsmesse zusammenzubringen im Hinterhof in Frankfurt-Sachsenhausen 2005 begann, ist heute ein erfolgreiches Festival für Mode und Design mit 90 Ausstellern aus dem In- und Ausland. „Das Festival ist erwachsen und die Locations sind größer geworden“, sagt Steffen Mai von der Frankfurter Agentur Mai Communications, Stilblüten-Partner seit 2010: Von der AusstellungsHalle in die Diamantenbörse, Stippvisite in der Ehemaligen Stadtbücherei auf der Zeil, findet das Festival jetzt in der Mercedes Benz Halle statt. Die Krise, die zum Erwachsenwerden ehört, wurde 2012 gemeistert.


Geben Stilblüten Raum: Festival Gründerin Stella Friedrichs und Steffen Mai.

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Fotos: tactually

Stilblüten-Gründerin Stella Friedrichs und Designerin Nina Hollein, Stilblüten-Teilnehmerin und -Gewinnerin 2009 im Gespräch mit tactually über das Entwicklungen, Mode, Kunst, Manufakturfertigung und – die Schuhe ihres Lebens: Stella Friedrichs steht oft auf der griechischen Sandale, einem Tanzschuh aus weichem Leder mit kleinem Absatz; Nina Hollein liebt ihre Schnürschuhe von Artshock, die sie beim Stilblüten Festival entdeckt hat.

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Fotos: Stephan Morgenstern, Frankfurt

Wie hat sich das Stilblüten Festival über 10 Jahre entwickelt?
Stella Friedrichs:
Von der Messe zum Festival - aus einer spontanen Idee, bei der zunächst Designer und Kreative aus dem persönlichen Umfeld dabei waren, hat sich eine Messe und daraus ein Festival entwickelt. Seit 2010 betont der Begriff „Festival“ unseren Charakter: Läden und Ateliers gestalten Mitmachaktionen für das Publikum bei den Stadtblüten; das Stilblüten Festival selbst ist ein Raum für Begegnungen, mit spannendem Rahmenprogramm und Performances aus verschiedenen Bereichen.
Nina Hollein:
Ich war mit meiner Mode 2009 zum ersten Mal dabei, damals in Sachsenhausen in der Brückenstraße, es war viel kleiner. Das Stilblüten Festival ist professioneller geworden und hat – das ist das Schöne – seine Leidenschaft bewahrt.
Stella Friedrichs:
Wir haben uns mit Steffen Mai und seiner Agentur Mai Communications professionelle Unterstützung geholt. Noch immer ist das Stilblüten Festival kein großes finanzielles Ding, Steffen unterstützt uns aus Begeisterung.

Die Atmosphäre beim Stilblüten Festival ist nahbar und persönlich. Wie bewahrt man Spontaneität und Ungezwungenheit?
Nina Hollein:
Schon das Rahmenprogramm ist ausgesucht und besonders – mit Menüabend in der Freitagsküche, Party, Gesprächen, Ausstellungen, den offenen Ateliers – und hat ein bisschen familiären Charakter. Designer, Musiker, Künstler, Publikum – alle machen mit und lassen sich anstecken. Die schöne Atmosphäre entsteht auch dadurch, dass die Festivalorganisation so gut mit den Ausstellern umgeht.
Stella Friedrichs:
Wir öffnen Mode und Design und beziehen das Publikum mit ein – und sprechen über die Stadtblüten auch Ladeninhaber und Unternehmen an, die nicht als Aussteller beim Stilblüten Festival mitmachen. 

Dieses Jahr hat Susanne Gaensheimer vom Museum für Moderne Kunst Frankfurt die Schirmherrschaft übernommen, letztes Jahr war es Max Hollein vom Städel MuseumWoher kommt die starke Verbindung zwischen Design, Mode und der Kunst?
Nina Hollein:
Die Welt der Bilder ist beiden gemeinsam: Die Bildsprache der Mode und ihre Materialien beeinflussen die Kunst und umgekehrt, Modefotografien sind häufig inszenierte Kunstwerke. Es ist die Zeitströmung, Designern in Ausstellungen im Museum eine Plattform zu bieten – wie dieses Jahr zum Beispiel Kostas Murkudis im MMK. Spannend ist, dass sich die Publikumskreise, die zu Mode- oder Kunstveranstaltungen gehen, so mischen und erweitern.
Stella Friedrichs:
Im letzten Jahr hatten wir das Künstlerduo Nora und Paul Battenberg-Cartwright beim Stilblüten Festival. Sie schaffen eine neue Verbindung, in der sich Mode und Kunst so verbinden, dass man sie nicht trennen kann. Wenn Designer machen, was sie wollen, dann ist es eher Kunst: Das habe ich zuletzt an der Universität für Angewandte Kunst in Wien wieder gesehen. Hier, in Frankfurt, gibt Matthias Wagner der Mode im Museum für Angewandte Kunst viel Raum.
Nina Hollein:
Direkt neben dem Stand von Battenberg-Cartwright wurden Tücher und Schals verkauft – zwei ganz unterschiedliche Positionen aus Kunst, Mode, Design und Vertrieb direkt nebeneinander – unsteril, inspirierend, bunt: Das macht den Charakter des Stilblüten Festivals aus.

Welche Rolle spielt Fair Fashion beim Stilblüten Festival?
Stella Friedrichs:
Wir haben als Voraussetzung, dass eine eigene Kollektion produziert wird. Die Designer und Manufakturen fertigen meist selbst und in kleinen Stückzahlen – das ist per se nachhaltig, darum stellt sich die Frage eigentlich nicht.
Nina Hollein:
Es wird mehr nachgefragt, die Leute interessieren sich für die Geschichte des Kleidungsstücks, die Produktion, die Herkunft der Stoffe. Eine Entwicklung hin zu mehr Bewusstsein findet statt, wenn auch nicht ganz so schnell wie im Bereich Lebensmittel.

Billigproduktion, Manufakturware, Kunstobjekt – wohin gehen Mode und Design?
Nina Hollein:
Die Kunden sind überwältigt vom enormen Angebot und wieder mehr auf der Suche nach was Besonderem. Und sie fragen sich auch: Wer bezahlt den Preis für billige Kleiderproduktion? Bei jungen Leuten gibt es auf jeden Fall ein größeres Bewusstsein, aber sie sagen auch, wenn ich Manufakturkleidung kaufe, dann kann ich mir nicht viel leisten. Wie viele Kleidungsstücke braucht man – eine Frage von Quantität und Qualität.
Stella Friedrichs:
Interessant sind auch die Konzepte der Kleidertauschpartys und Kleiderkreise – eine kommunikative Art der Wiederverwendung von Kleidung. Auch beim Upcycling alter Stoffe und Kleider entstehen spannende Sachen. Aus dem Verschnitt, der beim Zuschneiden übrig bleibt, kann man auch viel machen.
Nina Hollein:
Ja, ich habe regelmäßig Verschnitt-Stücke in meiner Kollektion, die toll wirken. Momentan sehe ich das Verständnis für sehr große Ausgaben für Kleidung schrumpfen, weil es andere Probleme zu bewältigen gibt.

Euer Wunsch für die Zukunft des Stilblüten Festivals?
Nina Hollein:
Dass es weitergeht – alle arbeiten gern mit Stilblüten zusammen, weil es in Frankfurt einfach nichts Vergleichbares im Bereich Mode und Design gibt. Der Wunsch, der schon lange im Raum steht, ist eine große Modenschau.
Stella Friedrichs:
Die Weiterentwicklung, weil Stilblüten von den Ideen von Künstlern und dem Publikum lebt. Die spartenübergreifende Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, etwa mit der Jungen Deutschen Philharmonie in der Zusammenarbeit mit Max Gaertner. Diesmal werden die Kleider einiger Designern in einer Tanzperformance je zweimal am Tag während des Festivals vorgestellt.
Für die nächsten Jahre wünschen wir uns 30 bis 40 Aussteller mehr, damit das Stilblüten-Festival auch finanziell rentabel wird. Ja, und eine große Modenschau natürlich auch.

Alle Informationen und Programm Stilblüten Festival 2015
www.stilblueten-frankfurt.de/